01.09.2011 | Leute | Horst Johr
Was macht eigentlich…? Martin Buß
Es war damals eine Überraschung. Vor zehn Jahren wurde Martin Buß im kanadischen Edmonton mit seiner persönlichen Bestleistung von 2,36 Metern Hochsprung-Weltmeister. Im Winter 2006 zog er sich vom Leistungssport zurück.
Martin Buß flog vor kurzem wieder über die Latte (Foto: Chai)
Was waren damals die Gründe für den Karrierestopp? „Zum einen hatte ich über Jahre hinweg mit dem Knie zu tun. Zum anderen ist im Laufe dieser Jahre irgendwann ein Punkt erreicht worden, an dem die Spannung nicht mehr da war und der Adrenalinschub im Wettkampf ausblieb und es aus meiner Sicht keinen Sinn mehr hatte, weiter zu machen“, erläuterte er den damaligen Schritt. Er begann dann bei der Berliner Polizei eine Ausbildung für den gehobenen Dienst.
Kürzlich trat er zum ersten Male wieder in Erscheinung. Am 17. August startete er bei der Deutschen Polizeimeisterschaft in Hannover. Er zeigte sich schlank und rank wie eh und je.
Ohne Training über zwei Meter
Um die Hochsprunganlage hatte sich eine größere Zuschauermenge versammelt um zu sehen, wie sich der inzwischen 35-Jährige schlagen würde. Die Schaulustigen waren überrascht, wie gut er das machte. Er begann sicherheitshalber bei 1,75 Meter. Diese Höhe wie auch die folgenden über 1,85, 1,93, 1,96, 1,99 und 2,02 Meter meisterte er jeweils im ersten Versuch. An 2,05 Metern scheiterte er dreimal.
Wie er später sagte, hat er diese Leistung ohne jegliches Training erbracht. „Wir hatten in Berlin zwar eine Vorbereitungswoche, aber da ich mir vor drei Wochen einen Muskelfaserriss und vor einer Woche zusätzlich einen Infekt zugezogen hatte, war es mir nicht möglich, im Vorfeld noch großartig zu trainierten“, erzählte er.
Vor zehn Jahren wurde Martin Buß Weltmeister (Foto: Chai)
Kontakt zur Leichtathletik habe er inzwischen aber trotz dieses heimlichen Comebacks kaum noch. „Ab und zu telefoniere ich mit meinem Trainer, mit dem ich mich jeweils am „Jahrestag des Weltmeistertitels“ treffe. Gelegentlich treffe ich mich auch mit Kameraden aus meiner damaligen Trainingsgruppe zusammen, zum Beispiel zum Grillen“, sagte er.
Fußball ist jetzt sein Sport
Dennoch ist er noch sportlich aktiv. Er spielt beim SV Stern Britz Fußball und zwar als Verteidiger in der Bezirksliga. „Aber wir wollen aufsteigen“, fügte er noch an.
Martin Buß ist verheiratet und hat drei Kinder, dreizehn und elf Jahre sowie drei Monate alt. Die beiden älteren betreiben zur Zeit Leichtathletik, haben sich aber noch nicht spezialisiert. Seine Frau spielt auch Fußball, hat jetzt aber auch den Dauerlauf entdeckt. Beide haben sich vorgenommen, im April des nächsten Jahres in Berlin den Halbmarathon zu laufen.
Dienst im Funkwagen
Martin Buß hat vor eineinhalb Jahren seine Ausbildung abgeschlossen und ist jetzt in Berlin Polizeikommissar und fährt in Neukölln, „da wo es interessant ist“, Funkwagen.
Einen wichtigen Eckpunkt in seinem Leben stellt der Beruf dar, dann kommt der Sport - wenn es klappt - mit zweimal Training in der Woche und einem Spiel am Sonntag. Natürlich spielt auch die Familie eine wesentliche Rolle in seinem Leben, das hebt er besonders hervor.
Viel Zeit für Hobbys neben dem Sport verbleibt ihm kaum. Wenn sich die Gelegenheit bietet, liest er gerne. Auf die Frage, wie sich die Deutschen bei der Weltmeisterschaft in Daegu (Südkorea) schlagen werden, antwortete er: „Dazu kann ich nichts sagen, weil ich kaum noch jemanden kenne, der da an den Start geht.“ Trotzdem würde der Dresdner Raúl Spank im Hochsprungfinale am Donnerstagabend am die liebsten in die Fußstapfen von Martin Buß treten.