11.05.2005 | International | Christian Fuchs
Marion Jones hat schweren Stand bei Meetings
Nachdem bereits im letzten Sommer eine Diskussion über die Einladung von US-Athletin Marion Jones, die sich nach wie vor Dopingspekulationen gegenüber sieht, zu europäischen Meetings losgebrochen war und einzelne Veranstalter darauf verzichteten, hat sich die Position der dreifachen Olympiasiegerin von Sydney nicht sonderlich gebessert.
Marion Jones hat bei den Meeting-Veranstaltern keine Lobby mehr (Foto: Krebs)
Zwar sagte Marion Jones selbst vor kurzem, sie wolle nun wieder in der Golden League und in Europa starten, doch nach jüngsten Medienberichten spricht sich eine Mehrheit der europäischen Meeting-Veranstalter gegen die Verpflichtung der Sprinterin aus. Hansjörg Wirz, der Meeting-Direktor von "Weltklasse Zürich", bekräftigte in der Schweiz: "Athleten, die unter Doping-Verdacht stehen, sind für uns kein Thema."
Noch nicht entschieden hat man sich in Berlin. Nach Agenturmeldungen erklärte Gerhard Janetzky, Managing Partner des ISTAF, dass man nach der Weltmeisterschaft im August in Helsinki allein nach sportlichen Gesichtspunkten über eine Einladung von Marion Jones für die Veranstaltung am 4. September im Berliner Olympiastadion entscheiden wolle: "Unsere Haltung ist, sie nicht grundsätzlich zu boykottieren."
Wenn Marion Jones von den Top-Meetings nicht eingeladen wird, könnte ihre Börse rasch fallen und sie käme damit möglicherweise mit ihren Startgeldforderungen in Regionen, in denen sie für kleinere Veranstaltungen interessant werden könnte.
Einheitliches Auftreten
Ulrich Hobeck, Präsident der German Meetings e.V., würde sich allerdings einer gemeinsamen Marschroute der Veranstalter nicht verschließen, sobald diese erkennbar ist: "Wenn es um ein einheitliches Auftreten geht, wären wir als deutsche Veranstalter sicher gut beraten, uns dem anzuschließen, wenn wir im Anti-Doping-Kampf weiterkommen wollen." Allerdings stellt der Meeting-Direktor in Cottbus auch die Problematik heraus, dass Marion Jones zum aktuellen Zeitpunkt nicht international gesperrt und nicht eindeutig überführt sei.
Im letzten Sommer startete Marion Jones in Europa nur beim Super Grand-Prix-Meeting in Ostrava (Tschechische Republik), dem Super Grand-Prix-Meeting in Gateshead (Großbritannien), der Team Challenge in München (dort wurde sie vom US-Verband ins US-Team nominiert) und schließlich bei den Olympischen Spielen in Athen (Griechenland). Das war auch zugleich ihr bislang letzter Auftritt auf dem europäischen Kontinent.