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03.04.2012 | Leute | Silke Bernhart

Trainer im Fokus - Michael Deyhle

Sie stehen hinter den Erfolgen der deutschen Topathleten, feilen mit ihnen an ihren Leistungen, jubeln und leiden mit ihren SchĂŒtzlingen - und bleiben doch meist im Hintergrund. leichtathletik.de widmet sich in einer neuen Serie den Trainerinnen und Trainern in der deutschen Leichtathletik. Heute: Hammerwurf-Bundestrainer (MĂ€nner/Frauen) und Trainersprecher Michael Deyhle.

Michael Deyhle ist im DLV fĂŒr den Hammerwurf der MĂ€nner und Frauen zustĂ€ndig (Foto: Chai)


Michael Deyhle hat wie kaum ein anderer Trainer die Geschicke seiner Disziplin geprÀgt: Wenn in den vergangenen Jahren bei internationalen Meisterschaften deutsche Hammerwerfer auf dem Treppchen standen, steckte stets der Frankfurter dahinter.

Karsten Kobs und Kirsten MĂŒnchow waren die Ersten, die unter seiner Anleitung internationales Edelmetall holten: Sie wurden 1998 EM-Dritte. Es folgten WM-Gold von Karsten Kobs 1999 in Sevilla (Spanien) und Olympia-Bronze von Kirsten MĂŒnchow 2000 in Sydney (Australien). Susanne Keil, mit 72,74 Metern zwischenzeitlich deutsche Rekordhalterin, wurde 2003 WM-FĂŒnfte.

Zuletzt schafften die Frankfurterinnen Betty Heidler und Kathrin Klaas den Sprung an die absolute Weltspitze. Weltrekordlerin Betty Heidler zĂ€hlt zu den fleißigsten deutschen Medaillensammlerinnen der vergangenen vier Jahre. Kathrin Klaas verpasste 2009 als WM-Vierte nur ganz knapp Edelmetall. Ebenfalls WM-Vierter wurde 2011 der Leverkusener Markus Esser, der seit anderthalb Jahren sowohl bei seinem Heimtrainer Helge Zöllkau als auch in der Frankfurter Gruppe trainiert.

Plötzlich im TrainergeschÀft

Michael Deyhle betreut in der Main-Metropole schon seit rund 32 Jahren Leichtathleten - erst als Vereinstrainer, dann als Landestrainer, spĂ€ter als Nachwuchs-Bundestrainer, schließlich als Bundestrainer der Frauen und zuletzt auch der MĂ€nner.

„Plötzlich war ich mitten im TrainergeschĂ€ft“, sagt Michael Deyhle rĂŒckblickend. So ganz geplant war das nicht. Als Absolvent eines Studiums der Volkswirtschaft hatte er zunĂ€chst eher eine Karriere im Bereich Sportökonomie im Blick. 15 Jahre lang betrieb er sein eigenes Fitnessstudio, war außerdem an der Hochschule als wissenschaftlicher Mitarbeiter tĂ€tig. Irgendwann gab er der TrainertĂ€tigkeit den Vorzug und hat es nie bereut: „Ich muss sagen: Das war die beste Entscheidung!“

Vorbilder im Ausland

Der Hesse sucht als Trainer stets seinen eigenen Weg, der nicht immer dort verlĂ€uft, wo andere schon gegangen sind. Sein grĂ¶ĂŸtes Vorbild: Anatoliy Bondarchuk, 1972 fĂŒr die damalige Sowjetunion Olympiasieger im Hammerwurf und anschließend Trainer seines Landsmanns Yuriy Sedykh, der mit 86,74 Metern noch immer den Weltrekord hĂ€lt.

Schon frĂŒh habe er erkannt, dass die ihm zugĂ€nglichen Informationen nicht seinen Vorstellungen entsprachen, erklĂ€rt Michael Deyhle. „Also habe ich versucht, ĂŒber die damalige Mauer zu sehen und mir die Systeme im Osten anzuschauen. Die haben mir wesentlich mehr zugesagt.“ Als er Schriften von Anatoliy Bondarchuk in die HĂ€nde bekam, war sein Weg vorgezeichnet.

Betty Heidler und Kathrin Klaas schafften es mit Michael Deyhle bis in die Weltspitze (Foto: Chai)


Hoher Anspruch


Michael Deyhle ist selbst hartes Training gewohnt: Als ehemaliger Leichtgewichtsruderer trainierte er in seiner aktiven Zeit bis zu 14 Mal pro Woche. Diese Erfahrungen seien auch der SchlĂŒssel zum Erfolg als Trainer gewesen, sagt er: „Wir Ruderer haben damals wesentlich intensiver und geplanter trainiert als die Leichtathleten.“

Wer sich als Athlet in die HĂ€nde des Bundestrainers begibt, muss sich seinem hohen Anspruch stellen. Dass das nicht ganz einfach ist, weiß Betty Heidler, die schon seit 2001 bei Michael Deyhle trainiert. „Wir hatten ja gemeinsam beschlossen, dass ich zu ihm nach Frankfurt komme“, erklĂ€rt die gebĂŒrtige Berlinerin. „Trotzdem war es eine große Umstellung fĂŒr mich. Und am Anfang hatten wir uns ganz schön oft in der Wolle!“

Diese Probleme sind Geschichte - im Gegenteil: In der Trainingsgruppe der Hammerwerfer geht es sehr entspannt und freundschaftlich zu. „Michael Deyhle ist immer fĂŒr seine Athleten da“, sagt die heute 28-JĂ€hrige, die an ihrem Trainer besonders seine offene und ehrliche Art schĂ€tzt sowie seinen Ehrgeiz, sich nie mit dem Erreichten zufrieden zu geben.

Grenzen des Trainerberufs

Dass lĂ€ngst nicht alle Athleten seinen Einsatz so aufnehmen wie Betty Heidler, ist fĂŒr Michael Deyhle die schmerzhafte Seite am Trainerberuf. „Man investiert ja wirklich sehr viel und hofft, dass ab und zu auch positives Feedback kommt - natĂŒrlich kommt das, aber es kommt genauso hĂ€ufig nicht“, sagt er.

Der Bundestrainer betreut zurzeit sieben Athletinnen und Athleten im Alter von 15 bis 32 Jahren. Er liebt die Herausforderung, fĂŒr jeden seiner SchĂŒtzlinge individuell das erfolgreichste Training zu erarbeiten. Doch bei einigen Talenten stĂ¶ĂŸt er an seine Grenzen: „Manche wollen nicht oder können nicht – oder wir können gemeinsam keinen Weg finden. Da muss ich mir dann eingestehen: Es gibt Athleten, die nicht zu mir passen.“

Betty Heidler kann das bestĂ€tigen: „Wir sind eine sehr stark leistungsorientierte Gruppe“, erklĂ€rt sie. „Das schreckt viele ab.“ Sie selbst bildet nach den anfĂ€nglichen Schwierigkeiten mit ihrem Coach ein eingespieltes Team, in dem die Kommunikation eine große Rolle spielt: Michael Deyhle gibt die Richtung vor, aber es wird offen das angesprochen, was gut und was schlecht lĂ€uft.

Wachablösung: Markus Esser und Karsten Kobs bei der DM 2008, wo der Ex-Weltmeister seinen RĂŒcktritt verkĂŒndete (Foto: Chai)


Emotionale Momente

Gemeinsam mit seiner erfolgreichsten Athletin erlebte Michael Deyhle zwei der schönsten Momente seiner Trainerkarriere. Besonders gerne erinnert er sich an die Weltmeisterschaften 2007 in Osaka (Japan), als der Rotschopf Gold holte. Auch das WM-Silber zwei Jahre spĂ€ter in Berlin, der Heimatstadt Betty Heidlers, bleibt fĂŒr ihn unvergessen: „Das war ein gigantisches Ereignis!“

Am emotionalsten war fĂŒr den Bundestrainer aber der Sieg von Karsten Kobs 1999 bei der WM in Sevilla (Spanien). „Damals hatte ich ein lachendes und ein weinendes Auge“, erklĂ€rt er. Denn trotz des Erfolges verließ der Weltmeister wenig spĂ€ter seinen Frankfurter Coach und schloss sich fĂŒr zwei Jahre dem damaligen Bundestrainer Bernhard Riedel an.

Wird 2012 der Traum wahr?

Der 60-JĂ€hrige brennt nach wie vor fĂŒr seine Disziplin, die in der Öffentlichkeit nicht immer die Aufmerksamkeit und Anerkennung erhĂ€lt, die er sich wĂŒnscht. So unterstĂŒtzt er die Initiative seiner Athletin Kathrin Klaas zur Aufnahme des Hammerwurfs in die Diamond League. In KĂŒrze soll dazu ein GesprĂ€ch mit Prof. Dr. Helmut Digel, Mitglied des Councils des Weltverbands IAAF, stattfinden.

Persönlich hat Michael Deyhle als Trainer noch einen großen Wunsch: „Mit Kirsten MĂŒnchow habe ich ja schon eine olympische Medaille gewonnen damals in Sydney. Aber das war 2000, das ist schon relativ lange her“, erklĂ€rt er. „Deswegen muss ich sagen: Das wieder zu erleben, das wĂ€re noch mal ein Highlight!“

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