02.12.2011 | Spezial | Maik Henschke
leichtathletik.de-Check - Stabhochsprung Männer
Die Saison 2011 mit einer erfolgreichen WM in Daegu (Südkorea) ist Geschichte. Guten WM-Leistungen sowie Erfolgen bei der Team-EM in Stockholm (Schweden) und der Hallen-EM in Paris (Frankreich) sowie anderen Meisterschaften und Meetings standen aber auch Enttäuschungen gegenüber. leichtathletik.de nimmt die einzelnen Disziplinbereiche noch einmal genau unter die Lupe.
Malte Mohr ist das ganze Jahr über in der Weltspitze mitgesprungen (Foto: Chai)
Verletzungspech und individuelle Baustellen trugen dazu bei, dass die Stabhochspringer 2011 eher einen Schritt zurück als nach vorn machten. „Wir waren schon mal in anderen Sphären“, gibt Bundestrainer Jörn Elberding zu.
Bevor es 2011 richtig losging, verkündete DLV-Topspringer Malte Mohr (LG Stadtwerke München) selbstbewusst hohe Saisonziele: Eine Medaille solle es mindestens sein, bei der Hallen-EM in Paris (Frankreich) und der WM in Daegu (Südkorea). Der deutsche Rekord von Vereinskollege und Co-Trainer Tim Lobinger (6,00 m) erschien ihm ebenfalls erreichbar.
Unterm Dach lief dann auch vieles nach Plan: Gleich fünfmal sprang Malte Mohr im Winter 5,80 Meter oder höher. Bei der Hallen-EM holte der gebürtige Bochumer, der mit Gold geliebäugelt hatte, immerhin Bronze. Mit den Plätzen sechs und acht komplettierten seine Trainingspartner Fabian Schulze und Tim Lobinger das gute Abschneiden in Paris.
„Mit drei Deutschen im Finale zu sein und eine Medaille zu machen, da gibt es nichts zu mäkeln“, resümiert Jörn Elberding den Saisonauftakt. Unruhe ins Team brachten Unstimmigkeiten zwischen den Münchner Springern und deren Klubgeschäftsführer, die erst im Sommer beigelegt wurden.
Seine gute Form rettete Malte Mohr hinüber in den Sommer. Sein Auftaktsieg mit 5,81 Meter beim Diamond League-Meeting in Doha (Katar) war ein erstes Ausrufezeichen. Das Rennen um den Gesamtsieg der Weltserie gegen Dauerrivale Renaud Lavillenie (Frankreich) konnte der 25-Jährige lange offen gestalten, am Ende landete er auf Rang zwei.
Die ganz großen Höhen blieben im Sommer aus. Der Fokus lag klar auf der WM. Mit 5,85 Metern lieferte Malte Mohr dort dann auch auf den Punkt seine Saisonbestleistung unter freiem Himmel. Angesichts der starken Konkurrenz reichte es dennoch nur zu Platz fünf und damit nicht zum erhofften Edelmetall.
Raphael Holzdeppe (LAZ Zweibrücken) fiel für die Hallenwettkämpfe aus. Nach überstandener Oberschenkelverletzung konnte der Schützling von Andrei Tivontchik erst im Sommer ins Wettkampfgeschehen eingreifen, mit wechselhaften Resultaten.
Zwar holte er bei den Deutschen Junioren-Meisterschaften mit 5,72 Metern überlegen den Sieg samt WM-Norm. „Er hat sich im Einstich-Absprung-Komplex deutlich verbessert“, bescheinigt Jörn Elberding. Insgesamt blieb der 22-Jährige aber unter den Erwartungen.
Bei der U23-EM in Ostrava (Tschechische Republik) erreichte der Favorit nur Platz sechs. Bei den nationalen Titelkämpfen in Kassel musste er sich mit Platz fünf begnügen. Bei der WM in Daegu verpasste er das Finale. Seine guten Trainingsleistungen seien jeweils „unter dem Wettkampfdruck zusammengebrochen“, erklärt der Bundestrainer. „Er war oft übermotiviert.“
Zum Aufsteiger der Saison mauserte sich Karsten Dilla (LAV Bayer Uerdingen/Dormagen). Dreimal überquerte er 5,72 Meter. Dazu ging es im Sommer noch viermal über 5,60 Meter oder mehr. „Das ist phänomenal“, lobt der Bundestrainer den 22-Jährigen.
In Ostrava gewann Karsten Dilla U23-EM-Silber. Bei den Deutschen Meisterschaften sicherte er sich sowohl in der Halle als auch im Freien Bronze. Belohnt wurde sein starkes Jahr mit der WM-Teilnahme. Dort konnte er seine Saison aber nicht krönen. Eine Verletzung verhinderte die anvisierte Finalteilnahme.
Neben Raphael Holzdeppe und Karsten Dilla selbst dürfte vor allem Björn Otto (LAV Bayer Uerdingen/Dormagen) das Aus der beiden jungen Deutschen in der WM-Quali geärgert haben. Der 34-Jährige hatte sich - wie Karsten Dilla - nach den Deutschen Meisterschaften mehrfach für die WM empfohlen. Seine 5,80 Meter von Landau wurden im Kampf um die WM-Tickets allerdings nicht berücksichtigt, weil die korrekte Vermessung der Anlage fehlte. Letzten Endes durfte Björn Otto nicht mit nach Daegu reisen.
Der viel versprechende Nachwuchs erfüllte beim Jahreshöhepunkt nicht ganz die Erwartungen. Mit 5,20 Metern und seinem fünften Platz bei der U20-EM in Tallinn (Estland) durfte zwar Jonas Efferoth (TSV Bayer 04 Leverkusen) durchaus zufrieden sein. Das Gesamtergebnis entsprach aber nicht den Vorzeichen. Die hoffnungsvollen Talente Carlo Paech (SV elektronic Hohen Neuendorf; Siebter) und Daniel Clemens (LAZ Zweibrücken; Finale verpasst), sprangen an den Medaillen vorbei.
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Malte Mohr
LG Stadtwerke München
25 Jahre
SB: 5,85 m
PB: 5,90 m (2010)
DM: 1. Platz | WM: 5. Platz
DLV-Jahresbestenliste: 1. Platz
Europa-Bestenliste: 4. Platz
Welt-Jahresbestenliste: 5. Platz |
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Björn Otto
LAV Bayer Uerdingen/Dormagen
34 Jahre
SB: 5,75 m
PB: 5,90 m (2007)
DM: 4. Platz | WM: n.a.
DLV-Jahresbestenliste: 2. Platz
Europa-Bestenliste: 6. Platz
Welt-Jahresbestenliste: 21. Platz
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Karsten Dilla
LAV Bayer Uerdingen/Dormagen
22 Jahre
SB: 5,72 m
PB: 5,72 m (2011)
DM: 3. Platz | WM: 24. Platz Quali
DLV-Jahresbestenliste: 4. Platz
Europa-Bestenliste: 16. Platz
Welt-Jahresbestenliste: 18. Platz |
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Daniel Clemens
LAZ Zweibrücken
19 Jahre
SB: 5,50 m
PB: 5,50 m (2011)
Titel des „Hoffnungsträgers“ verteidigt: Um vier Zentimeter konnte das Talent aus Zweibrücken seine Bestleistung von 2009 nach oben schrauben. Trotz der verpatzten U20-EM: Nur zwei Junioren weltweit sprangen dieses Jahr höher als Daniel Clemens. |
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Tobias Scherbarth
TSV Bayer 04 Leverkusen
26 Jahre
SB: 5,30 m
PB: 5,71 m (2010)
Seine beiden Fußbrüche innerhalb von zwei Jahren hingen Tobias Scherbarth auch 2011 noch nach. Mehr als magere 5,30 Meter in Darmstadt waren nicht drin für den verletzungsgebeutelten Leverkusener. Stattdessen lenkte er im Frühjahr seine Aufmerksamkeit auf die Diplomarbeit. Thema: Golf. |
Tim Lobinger will es 2012 noch einmal wissen (Foto: Chai)
Malte Mohr, der kommendes Jahr national im Trikot des TV Wattenscheid 01 startet, ist schon jetzt auf Augenhöhe mit der Weltspitze. Sein Ehrgeiz richtet sich auf Edelmetall bei den internationalen Höhepunkten. Bei der EM in Helsinki (Finnland) und den Olympischen Spielen in London (Großbritannien) kann es der führende DLV-Springer an einem guten Tag fraglos mit der internationalen Elite aufnehmen.
In die Weltspitze ist mit den WM-Medaillen-Erfolgen von Pawel Wojciechowski (Polen) und Lázaro Borges (Kuba) neuer Wind gekommen. Auf eine Fortsetzung wartet auch das Duell Malte Mohr gegen Renaud Lavillenie. „Malte Mohr ist nächstes Jahr der einzige Medaillenkandidat“, meint Bundestrainer Jörn Elberding. Dahinter türmen sich einige Baustellen auf.
Das Wort vom möglicherweise bevorstehenden „Generationswechsel“ bei den Stabis bringt den Bundestrainer jedes Jahr aufs Neue zum Schmunzeln. „Der findet nicht wirklich statt“, so seine Erkenntnis. Die Erfahrenen stechen immer wieder in die deutsche Spitze, während den jungen Athleten, abgesehen von Malte Mohr, der Schritt aus dem Schatten nicht überzeugend gelingen mag.
Keine befriedigende Situation für den Bundestrainer. „Entscheidend wird sein, dass wir die Jungen weiterentwickeln in Richtung 5,80 Meter“, gibt Jörn Elberding die Marschroute vor. Damit meint er Karsten Dilla. Raphael Holzdeppe und Fabian Schulze sollen wieder in diese Höhen aufsteigen.
Beim sprintstarken Raphael Holzdeppe erkennt der DLV-Coach bereits einen Aufwärtstrend: „In seinen Trainingssprüngen auf Video ist eine deutliche Steigerung in der Absprunghöhe zu sehen. Wenn das so ein schneller Springer auch nur ansatzweise umsetzen kann, dann ist das phänomenal und geht in andere Sphären“, hofft der Bundestrainer.
Mit Blick auf Karsten Dilla möchte er trotz der überzeugenden Saison überzogene Erwartungen bremsen: „Wenn da nächstes Jahr eine 5,80 rausspringt, ist das top. Aber selbst wenn er sich stabilisiert zwischen 5,70 und 5,75 Meter, bin ich auch schon sehr zufrieden.“
Die verletzungsgeplagten Alexander Straub (LG Filstal), Tobias Scherbarth und Hendrik Gruber (beide TSV Bayer 04 Leverkusen) sollen wieder in den Bereich der 5,70 Meter zurückgeführt werden. Gelingen beide Vorhaben, sieht es in der Olympiasaison womöglich schon wieder viel freundlicher aus im Stabhochsprunglager.
Tim Lobinger und der wieder genesene Danny Ecker (TSV Bayer 04 Leverkusen) wollen erneut zeigen, dass beim Kampf um die EM- und Olympiatickets durchaus mit der „Ü30-Gruppe“ zu rechnen ist. Offen bleibt, ob Björn Otto dazustößt. Für die Zeit nach seinem Studienabschluss hat sich der 34-Jährige für eine Pilotenausbildung beworben.
Demnächst soll sich entscheiden, ob er weiterhin am Stab oder künftig im Cockpit abhebt. Bis dahin plant der Routinier zweigleisig und absolviert die komplette Wintervorbereitung.
Der Leverkusener Jonas Efferoth wird kommendes Jahr noch einmal in der Jugend starten, Jörn Elberding betitelt ihn schon jetzt als „Juwel“. Daniel Clemens und Carlo Paech haben den Sprung ins „Junior Elite Team“ geschafft und werden jetzt herangeführt an die „Großen“.
Die Jahresbesten
5,85 m - Malte Mohr (LG Stadtwerke München)
5,75 m - Björn Otto (LAV Bayer Uerdingen/Dormagen)
5,72 m - Raphael Holzdeppe (LAZ Zweibrücken)
5,72 m - Karsten Dilla (LAV Bayer Uerdingen/Dormagen)
5,62 m - Tim Lobinger (LG Stadtwerke München)
5,62 m - Fabian Schulze (LG Stadtwerke München)
5,60 m - Alexander Straub (LG Filstal)
5,55 m - Hendrik Gruber (TSV Bayer 04 Leverkusen)
5,53 m - Michel Frauen (TSV Bayer 04 Leverkusen)
5,52 m - Danny Ecker (TSV Bayer 04 Leverkusen)
Internationale Endkampf-Platzierungen 2011
WM: 5. Platz Malte Mohr (5,85 m)
U23-EM: 2. Platz Karsten Dilla (5,60 m), 6. Platz Raphael Holzdeppe (5,50 m)
U20-EM: 5. Platz Jonas Efferoth (5,20 m), 7. Platz Carlo Paech (5,10 m)
U18-WM: 4. Platz Oleg Zernikel (4,80 m), 7. Platz Lukas Hallanzy (4,80 m)
Hallen-EM: 3. Platz Malte Mohr (5,71 m), 6. Platz Fabian Schulze (5,51 m), 8. Platz Tim Lobinger (5,41 m)
Entwicklung des Spitzenniveaus
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Athleten > 5,80 m
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Schnitt Top 10
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2005
|
Tim Lobinger (5,93 m), Björn Otto (5,80 m)
|
5,66 m
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2006
|
Tim Lobinger (5,90 m), Danny Ecker (5,86 m), Björn Otto (5,85 m), Fabian Schulze (5,81 m), Lars Börgeling (5,80 m)
|
5,73 m
|
2007
|
Björn Otto (5,90 m), Danny Ecker (5,87 m), Tim Lobinger (5,83 m) |
5,68 m
|
2008
|
Alexander Straub (5,81 m), Raphael Holzdeppe (5,80 m)
|
5,73 m
|
2009
|
Alexander Straub (5,81 m), Malte Mohr (5,80 m)
|
5,70 m
|
| 2010 |
Malte Mohr (5,90 m), Raphael Holzdeppe (5,80 m) |
5,66 m |
| 2011 |
Malte Mohr (5,85 m) |
5,65 m |
Entwicklung Jahresbestleistungen
Jahr
|
Deutschland
|
Europa
|
Diff.
|
Welt
|
Diff.
|
2005
|
5,93 (T. Lobinger)
|
5,93 (T. Lobinger)
|
0,00
|
6,00 (Burgess/AUS)
|
0,07
|
2006
|
5,90 (T. Lobinger)
|
5,90 (T. Lobinger)
|
0,00
|
6,00 (Walker/USA)
|
0,10
|
2007
|
5,90 (B. Otto)
|
5,90 (B. Otto)
|
0,00
|
5,95 (Walker/USA)
|
0,05 |
2008
|
5,81 (A. Straub)
|
6,01 (Lukyanenko/RUS)
|
0,20
|
6,04 (Hooker/AUS)
|
0,23
|
2009
|
5,81 (A. Straub)
|
6,01 (Lavillenie/FRA)
|
0,20
|
6,01 (Lavillenie/FRA) |
0,20
|
| 2010 |
5,90 (M. Mohr)
|
5,94 (Lavillenie/FRA)
|
0,04
|
5,95 (Hooker/AUS) |
0,05 |
| 2011 |
5,85 (M. Mohr)
|
5,90 (Lavillenie/FRA)
|
0,05
|
5,90 (Lavillenie/FRA) |
0,05 |
- Die Verletzungsmisere machte sich bemerkbar: Der deutsche Top-Ten-Schnitt lag 2011 knapp unter dem der vergangenen Jahre.
- Erstmals seit langem knackte mit Malte Mohr nur ein DLV-Springer die 5,80-Meter-Marke, wobei Björn Ottos Sprung in Landau über diese Höhe nicht gewertet wurde.
- Der guten Hallensaison konnten die DLV-Springer erneut keine gleichwertigen Freiluft-Resultate folgen lassen.
- Der Abstand zur Weltjahresbestleistung bleibt unverändert, 2011 lag diese aber auch so niedrig wie zuletzt 2002.
Malte Mohr wird zum Matchwinner
Gutes Saisonende für Daniel Clemens
Stabhochspringer auf Abwegen
Carlo Paech pokert und siegt mit 5,40
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