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28.10.2011 | Spezial | Jan-Henner Reitze

leichtathletik.de-Check - 400 Meter Männer

Die Saison 2011 mit einer erfolgreichen WM in Daegu (Südkorea) ist Geschichte. Guten WM-Leistungen sowie Erfolgen bei der Team-EM in Stockholm (Schweden) und der Hallen-EM in Paris (Frankreich) sowie anderen Meisterschaften und Meetings standen aber auch Enttäuschungen gegenüber. leichtathletik.de nimmt die einzelnen Disziplinbereiche noch einmal genau unter die Lupe.

2011 IM RÜCKBLICK

Thomas Schneider hatte im Winter Grund zum Jubeln (Foto: Chai)


Eine Hallensaison nach Maß lieferte Thomas Schneider (SC Potsdam). Seine Bestzeit steigerte er um mehr als eine Sekunde auf 46,19 Sekunden. Die nationale Konkurrenz hatte keine Chance und auch die europäische musste sich warm anziehen. Mit taktisch wohl überlegten Läufen lief der 22-Jährige bei der Hallen-EM zu Silber.

"Für unsere Disziplin hat es gut getan, wieder eine internationale Einzelmedaille zu holen", erklärte Stefan Poser, der als Disziplin-Bundestrainer für die Viertelmeiler zuständig ist. "Thomas musste sich in den Rennen bei der EM durchsetzen, das hat er gut gelöst."

Dass der Potsdamer einen Schritt nach vorne gemacht hat, zeigte auch das Trainingslager in Südafrika. "Thomas hat seine Bestzeit über 30-Meter-fliegend von 3,11 Sekunden auf 2,97 Sekunden gesteigert", erzählte Stefan Poser. Von dieser verbesserten Grundschnelligkeit profitierte er beim Saisoneinstieg: 45,56 Sekunden auf der Außenbahn von Ostrava (Tschechische Republik).

Doch was eigentlich der vielversprechende Auftakt sein sollte, blieb für das ganze Jahr sein bestes Rennen. Zuerst bremsten ihn schwierige Bedingungen. Highlight war noch ein zweiter Platz bei der Team-EM. Dann steckte dem Potsdamer lange eine Grippe in den Knochen, die er sich kurz vor den Deutschen Meisterschaften in Kassel einfing.

Dort reichte es immerhin zu Platz drei und damit zu einem Staffel-Platz für die WM in Daegu (Südkorea). Jonas Plass (Asics Team Wendelstein) ergriff die Chance und holte sich seinen ersten nationalen Titel.

In Daegu half der Team-Spirit nicht nur Thomas Schneider über die verpasste Einzelnorm hinweg. Alle Staffelmitglieder setzten ungeahnte Kräfte frei. Bei optimalen äußeren Bedingungen legte das Quartett in 3:00,68 Minuten im Vorlauf die beste Zeit eines deutschen Quartetts seit 16 Jahren hin. Für Jonas Plass (45,5 sec), Kamghe Gaba (LG Stadtwerke München; 45,1 sec), Eric Krüger (SC Magdeburg; 45,1 sec) und Thomas Schneider (44,9 sec) stoppten die Trainer Zeiten heraus, an die sie im Einzel noch nie herangekommen sind.

Dabei lief Eric Krüger auch noch 350 Meter seiner Runde mit einem Muskelfaserriss, den er sich im Rennen zuzog. "Er hat sich durchgebissen, um die Staffel nicht hängen zu lassen", lobte Stefan Poser. Im Finale sprang Miguel Rigau (LT DSHS Köln) für den angeschlagenen Magdeburger ein und es gab Platz acht. Zur gut gelaunten Viertelmeiler-WG in Daegu gehörte auch noch David Gollnow (TSV Erding).

Aus einer Reihe von starken Nachwuchsläufern stach Lukas Schmitz (LAV Bayer Uerdingen/Dormagen) heraus, der bei der U20-EM auf den Punkt seine Leistung brachte. Nachdem er sich schon im Halbfinale gesteigert hat, setzte der 18-Jährige im Finale noch einen drauf und lief in 46,57 Sekunden auf Platz fünf.

Außerdem überzeugte der DLV in der Staffel, wo Lukas Schmitz gemeinsam mit Hürdenspezialist Varg Königsmark (LG Nike Berlin), Lukas Hamich (LAC Erdgas Chemnitz) und Johannes Trefz (LG Würm Athletik) Bronze gewann.

Bei der U23-EM lief das Quartett des DLV mit Niklas Zender, Benjamin Jonas (beide LG Eintracht Frankfurt), Benedikt Wiesend (TSV Erding) und Marco Kaiser (LG Nike Berlin) auf Platz fünf und damit an der erhofften Medaille vorbei.


UNSERE TOP DREI

Thomas Schneider
SC Potsdam
22 Jahre
SB: 45,56 sec
PB: 45,56 sec (2011)
DM: 3. Platz | Hallen-EM: 2. Platz
DLV-Jahresbestenliste: 1. Platz
Europa-Jahresbestenliste: 8. Platz
Welt-Jahresbestenliste: 56. Platz

Jonas Plass
Asics Team Wendelstein
25 Jahre
SB: 46,18 sec
PB: 46,00 sec (2009)
DM: 1. Platz
DLV-Jahresbestenliste: 2. Platz
Europa-Jahresbestenliste: 151. Platz Welt-Jahresbestenliste: 39. Platz

Kamghe Gaba
LG Stadtwerke München
27 Jahre
SB: 46,35 sec
PB: 45,47 sec (2006)
DM: DNS
DLV-Jahresbestenliste: 3. Platz
Welt-Jahresbestenliste: 188. Platz



UNSER HOFFNUNGSTRÄGER

Lukas Schmitz
LAV Bayer Uerdingen Dormagen
18 Jahre
SB: 46,57 sec
PB: 46,57 sec (2011)

Platz fünf bei der U20 EM mit Bestzeit, Bronze in der Staffel und dazu der Deutsche Jugendtitel. Unter den Nachwuchsläufern war Lukas Schmitz 2011 die Nummer eins.




DER PECHVOGEL

Bastian Swillims
TV Wattenscheid 01
28 Jahre
SB: kein Start
PB: 45,44 sec (2007)

Achillessehnenprobleme stoppten den Dauerbrenner unter den deutschen Viertelmeilern. Auch für einen Staffeleinsatz bei der WM wurde er nicht rechtzeitig fit. Olympia hat er aber schon als Ziel ausgegeben.


2012 IM AUSBLICK

Eric Krüger will in die Olympia-Staffel (Foto: Chai)


Eine eingeschworene Truppe, die sich aufeinander verlassen kann, hat Stefan Poser aus seinen Schützlingen gemacht. Gute Voraussetzungen für das nächste Ziel: Olympia-Finale mit der Staffel. Schlüssel zum Erfolg sollen verbesserte Einzelzeiten sein, wo der Bundestrainer große Reserven seiner Läufer sieht. "Sie haben mehr drauf, konnten es aber noch nicht zeigen."

"Wir werden gemeinsam versuchen, wieder drei bis vier Läufer unter 46 Sekunden zu bringen", gibt er als Ziel an und will dafür eng mit den Heimtrainern zusammenarbeiten. "In der Staffel könnten wir dann Richtung Drei-Minuten-Grenze gehen." Knapp darunter liegt der 26 Jahre alte deutsche Rekord (2:59,86 min).

Sogar Richtung Olympia-Norm im Einzel (45,25 sec) ist Stefan Poser optimistisch. "Das ist nicht utopisch." Thomas Schneider hat schon angedeutet, dass für ihn solche Zeiten in Reichweite kommen können, wenn er gesund durchkommt. Ähnliches gilt für Kamghe Gaba.

Die zusätzliche Europameisterschaft soll Rückenwind für Olympia bringen. In der Staffel landete Deutschland 2010 in Barcelona (Spanien) auf Platz vier, auch bei der WM in Daegu waren drei europäische Teams besser. "Wir werden in Helsinki keine B-Staffel hinstellen, sondern unsere Top-Staffel", sagte der Bundestrainer und hat eine Medaille im Blick. Im Einzel sollen so viele Deutsche wie möglich internationale Erfahrung sammeln. Die Einzelnorm der EM liegt bei 45,95 Sekunden.

Mindestens als erfahrene Verstärkung für die Staffel hofft der DLV im kommenden Jahr auf eine Rückkehr von Bastian Swillims (TV Wattenscheid 01). Richtig reinhängen kann sich der 28-Jährige im Training aber noch nicht wieder. "Er hat immer noch leichte Probleme in der Achillessehne", gab Stefan Poser an.

Auf dem Weg zum höhepunktreichen Sommer empfiehlt der DLV-Coach, die Hallensaison zu nutzen, um über die kürzeren Distanzen Schwung zu holen. Die Hallen-WM in Istanbul (Türkei) wird für die DLV-Asse wohl keine Rolle spielen.

Im Nachwuchsbereich ist Lukas Schmitz erster Kandidat für die U20-WM im Sommer. Außerdem ist mehreren U23-Läufern zuzutrauen, dass sie den Sprung in die deutsche Spitze der Erwachsenen schaffen.


ZAHLEN UND FAKTEN

Die Jahresbesten
45,56 - Thomas Schneider (SC Potsdam)
46,18 - Jonas Plass (asics-Team Wendelstein)
46,35 - Miguel Rigau (LT DSHS Köln)
46,35 - Kamghe Gaba (LG Stadtwerke München)
46,42 - Alexander Meisolle (TV Wattenscheid 01)
46,55 - Eric Krüger (SC Magdeburg)
46,57 - Lukas Schmitz (LAV Bayer Uerdingen/Dormagen)
46,60 - David Gollnow (TSV Erding)
46,75 - Kai Kazmirek (LG Rhein/Wied)
46,77 - Marco Kaiser (LG Nike Berlin)

Internationale Endkampf-Platzierungen 2011
WM:
8. Platz Jonas Plass/ Kamghe Gaba/ Miguel Rigau/ Thomas Schneider (Staffel; 3:01,37 min)
Hallen-EM:
2. Platz Thomas Schneider (46,42 sec)
U23-EM:
5. Platz Niklas Zender/ Benjamin Jonas/ Benedikt Wiesend/ Marco Kaiser (Staffel; 3:04,93 min)
U20-EM: 5. Platz Lukas Schmitz (46,57 sec); 3. Platz Varg Königsmark/ Lukas Schmitz/ Lukas Hamich/ Johannes Trefz (Staffel, 3:08,56 min)
U18-WM:
keine

Entwicklung des Spitzenniveaus

Athleten < 46,00 sec
Schnitt Top 10
2005
Simon Kirch (45,80)
46,65
2006
Kamghe Gaba (45,47), Ruwen Faller (45,82), Sebastian Gatzka (45,88), Bastian Swillims (45,91), Andreas Wischek (45,93), Florian Seitz (45,95)
46,10
2007
Bastian Swillims (45,44), Ingo Schultz (45,67), Kamghe Gaba (45,84)
46,29
2008
Simon Kirch (45,57), Kamghe Gaba (45,67), Bastian Swillims (45,71)
46,03
2009
Kamghe Gaba (45,88 sec), Martin Grothkopp (45,94)
46,27
2010
Kamghe Gaba (45,92)
46,43
2011
Thomas Schneider (45,56)
46,41

Entwicklung Jahresbestleistungen (400 m)
Jahr
Deutschland
Europa
Diff.
Welt
Diff.
2005
45,80 (S. Kirch) 44,56 (Benjamin/GBR)
1,24
43,93 (Wariner/USA)
1,87
2006
45,47 (K. Gaba) 44,91 (Djhone/FRA)
0,56
43,62 (Wariner/USA)
1,85
2007
45,44 (B. Swillims)
44,46 (Djhone/FRA)
0,98
43,45 (Wariner/USA)
1,99
2008
45,57 (S. Kirch)
44,60 (Rooney/GBR)
0,97
43,75 (Merrit/USA)
1,82
2009
45,88 (K. Gaba)
44,74 (Bingham/GBR)
1,14
44,06 (Merrit/USA)
1,82
2010
45,56 (T. Schneider)
44,74 (K. Borlée/BEL)
0,82
44,35 (Merrit/USA)
1,21

Entwicklung Jahresbestleistungen(4x400 m)
Jahr
Deutschland
Europa
Diff.
Welt
Diff.
2005
3:02,94 (DLV)
2:58,82 (GBR) 4,12
2:56,91 (USA)
6,03
2006
3:02,83 (DLV)
3:01,10 (FRA)
1,73
2:59,86 (USA)
2,97
2007
3:01,77 (DLV)
3:00,05 (POL) 1,72
2:55,56 (USA)
6,21
2008
3:03,04 (DLV)
2:58,06 (RUS) 4,98
2:55,39 (USA)
7,65
2009
3:02,30 (DLV)
3:00,53 (GBR)
1,77
2:57,86 (USA)
4,44
2010
3:02,65 (DLV)
3:01,72 (RUS)
0,93
2:58,83 (USA U23)
3,82
2011
3:00,68 (DLV)
3:00,22 (RUS)
0,46
2:58,82 (USA)
1,86


WAS AUFFÄLLT
  • Mit Thomas Schneider ist wieder ein DLV-Viertelmeiler in die europäische Spitze gelaufen
  • Die Jahresbestzeiten in Europa und der Welt sind nicht mehr so weit entfernt
  • Wieder hat es nur ein DLV-Läufer geschafft, unter 46 Sekunden zu bleiben, in den Jahren 2006, 2007 und 2008 waren es mindestens drei
  • Mit Team-Geist hat die Staffel trotzdem eine Zeit erreicht, die es seit 16 Jahren nicht mehr gab
  • Obwohl die Einzelzeiten nicht besser waren, als in den letzten Jahren, kam die gute Staffel-Zeit raus
  • Der Abstand zur europäischen und weltweiten Spitze ist in der Staffel so klein wie lange nicht mehr

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Thomas Schneider mit sensationellen 46,19
Lukas Schmitz mit starkem Auftritt
Marco Kaiser im packenden Finish vorne

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