18.01.2003 | Aktuell | Christian Klaue
Der leichtathletik.de Olympia-Check von Leipzig
Am 12. April fällt die Entscheidung, welche deutsche Stadt vom Nationalen Olympischen Komitee (NOK) ins Rennen um die Olympischen Sommerspiele 2012 geschickt wird. Mit Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Leipzig und Stuttgart stehen fünf Städte zum Teil mit ihren dazugehörigen Region zur Auswahl. Eines lässt sich schon jetzt sagen: Egal, wer das Rennen letztendlich macht, der Sport hat von den fünf Bewerbungen profitiert. Wir haben uns mal umgehört und wollten von den Kandidaten wissen, was ihr Engagement bislang der Leichtathletik gebracht hat und wie die olympische Kernsportart in den Planungen berücksichtig wird. Heute wird unser Fragebogen von Dirk Thärichen, dem Geschäftsführer der Leipzig, Freistaat Sachsen und Partnerstädte GmbH beantwortet.
Jürgen Schult gehört zu den Befürwortern der Leipziger Olympiabewerbung. (Foto: Chai)
leichtathletik.de:
Herr Thärichen, wir würden gern wissen, welche Vorteile ihre Bewerbungsoffensive bislang der Leichtathletik gebracht hat. Könnten Sie uns bitte einen kurzen Überblick geben.
Dirk Thärichen:
„Unsere Bewerbung hat entscheidend dazu beigetragen, dass trotz knapper öffentlicher Haushalte die Sportförderung auf einem für Sachsen typisch hohen Niveau beibehalten worden ist. Für konkrete Zahlen haben wir beim Sächsischen Kultusministerium nachgefragt und können mit Recht behaupten, dass auch die Leichtathletik im Freistaat Sachsen weiter eine große Rolle spielen wird: Insgesamt gab es bereits 2002 überplanmäßige Fördermittel für den Nachwuchsleistungssport in Höhe von 0,25 Mio. Euro und eine Erhöhung der Verbands- und Vereinsförderung im nichtinvestiven Bereich von 14,55 Mio. Euro auf 15,25 Mio. Euro in 2003 und 15,75 Mio. Euro in 2004. Die Leichtathletik partizipiert u.a. von den Erhöhungen im Nachwuchsleistungssport (Erhöhung von 4,6 auf 4,9 Mio. Euro), bei der Übungsleiterbezuschussung (Erhöhung von 3,25 auf 3,5 Mio. Euro) und der Anschaffung von Großsportgeräten (neues Projekt, 0,3 Mio. Euro). Außerdem beteiligt sich der Freistaat an der ‚Stiftung Sporthilfe Sachsen’ mit einem einmaligen Beitrag von 0,5 Mio. Euro in 2003. Die vom Landessportbund Sachsen gegründete Stiftung dient der Unterstützung von Spitzen- und Nachwuchsleistungssportlern u.a. durch Stipendien/Ausbildungsbeihilfen, Übernahme von Verdienstausfall, Bezuschussung von Trainingslehrgängen/Wettkampfeinsätzen sowie Zielprämien für internationale Meisterschaften.“
leichtathletik.de:
Welche leichtathletischen Veranstaltungen wurden von Ihnen bislang unterstützt bzw. werden in den Monaten bis April 2003 noch gefördert?
Dirk Thärichen:
„Wir haben noch einige Veranstaltungshighlights wie die Sächsisches Hallenmeisterschaften am 31. Januar und 1. Februar 2003, den European Indoor Cup am 15. Februar 2003 und die 50. Deutschen Hallenmeisterschaften der Leichtathletik am 22./23. Februar 2003. Alle diese Veranstaltungen finden in der neuen Arena Leipzig statt, die als einzige Halle in Europa über sechs Rundbahnen verfügt. Außerdem findet das Internationale Erdgas-Leichtathletikmeeting am 7. Februar 2003 traditionell in Chemnitz statt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Initiativen im Breiten- und Schulsportbereich beispielsweise das Projekt ‚Mittelschulen für Olympia’. Dabei handelt es sich um einen leichtathletischen Fünfkampf der Mittelschulen. Im Auftaktjahr 2002 waren 61 Mittelschulen mit 3.050 Schülern aktiv. Das Landesfinale fand in der Leichtathletikhalle Chemnitz statt. Ab 2003 wird es auch eine Ausdehnung auf Gymnasien geben. Die beiden Wettbewerbe werden auch unabhängig von der Entscheidung zur Bewerberstadt verstetigt, um leichtathletische Disziplinen an den Schulen stärker in den Mittelpunkt zu rücken! Weiterhin gab es mehrere vom Freistaat unterstützte Einzelaktionen wie ‚Schulen laufen für Olympia’, ein Schulstaffellauf am 30. Oktober 2002 mit 3.500 Leipziger Schülern. Ab 2003 wird der Olympiacross in das schulsportliche Wettkampfprogramm aufgenommen. Es wird Wettkämpfe auf allen Qualifikationsebenen (Kreis- bzw. Stadtfinals, fünf Regionalschulamtsfinals, ein Landesfinale) und die Entsendung einer wettbewerbsfähigen Mannschaft zum Bundesfinale geben.“
leichtathletik.de:
Leichtathletik wird auch als olympische Kernsportart bezeichnet. Wie trägt Ihre Bewerbung dem Rechnung?
Dirk Thärichen:
„Die Leichtathletikwettbewerbe werden im Olympiastadion ausgetragen. Dieses befindet sich im Zentrum des Olympiaparks, im Herzen der Stadt. Kurze Wege zum Olympischen Dorf, zum Medienzentrum und zu den anderen Sportstättenzentren in der Stadt bieten den Leichtathleten attraktive Wettkampf- und Trainingsbedingungen. Nach den Olympischen Spielen wird das Stadion übrigens den Leichtathleten weiter als Trainings- und Wettkampfstätte zur Verfügung stehen.“
leichtathletik.de:
Durch die leichtathletische Brille betrachtet: Welche Vorteile kann Ihre Region gegenüber den Konkurrenten in die Waagschale werfen?
Dirk Thärichen:
„Grundsätzlich sind wir daran interessiert, Olympische Spiele nach Deutschland zu holen. Zu den Mitbewerbern möchten wir uns in dieser Phase der nationalen Bewerbung nicht äußern. Im Endeffekt soll der gewinnen, der die besten internationalen Chancen hat und natürlich das beste fachliche Konzept.“
leichtathletik.de:
Wo ist ihr Olympiastadion geplant und wie vielen Zuschauern wird es Platz bieten?
Dirk Thärichen:
„Das Olympiastadion ist in zentraler Lage im Olympiapark geplant, der sich auf dem Gelände des heutigen Sportforums befinden wird. Das Olympiastadion wird während der Olympischen Spiele 82.000 Zuschauer fassen und nach den Olympischen Spielen 20.000 Zuschauern Platz bieten.“
leichtathletik.de:
Welche Leichtathleten/Ex-Leichtathleten sind Olympiabotschafter für die Region Leipzig bzw. arbeiten an der Bewerbung mit?
Dirk Thärichen:
„Zunächst: Die Olympiaregion hat im Unterschied zu den anderen Bewerberregionen bewusst kein Botschaftersystem etabliert. Wir haben aber eine Vielzahl an Befürwortern, die sich für Leipzig engagieren jedoch nicht vertraglich an uns gebunden sind. Das zeigt, dass sich die Bewerbung auf eine breite Basis stützt. Aus dem Kreise erfolgreicher Leichtathleten gehören dazu u.a.: Jens Carlowitz, Silke Renk, Udo Beyer, Romy Spitzmüller (Nachwuchstalent), Catherine Bader-Bille, Marita Koch, Thomas Schönlebe, Lars Riedel, Hartwig Gauder, Jürgen Schult, Hagen Melzer und Jana Tucholke.“
leichtathletik.de:
Wie hoch ist der Etat ihre Bewerbungsoffensive?
Dirk Thärichen:
„Der Gesamtetat für die nationale Bewerbungsphase beträgt 4,5 Millionen Euro. Enthalten sind darin 1,2 Millionen Euro, die als Sponsoringmittel von der regionalen Wirtschaft eingeworben werden. Den Rest bringen die Gesellschafter der GmbH auf: der Freistaat Sachsen, die Stadt Leipzig, die Stadt Chemnitz, die Stadt Dresden, die Stadt Riesa, die Stadt Halle/Saale, der Landkreis Leipziger Land und die Industrie- und Handelskammer zu Leipzig.“
leichtathletik.de:
Wie lautet das Motto Ihrer Bewerbung?
Dirk Thärichen:
„Spiele mit uns – unter diesem Motto bewirbt sich die Olympiaregion Leipzig im nationalen Wettbewerb um die Austragung der Olympischen Spiele 2012. Das Motto steht für den Kern des Bewerbungskonzeptes: Leipzig organisiert Spiele des Sports, die die tragende Vision Pierre de Coubertins von der völkerverbindenden, friedenstiftenden Idee in Leipzig und Sachsen greifbar machen. Das Einstehen für Frieden, Toleranz und Völkerverständigung wird dokumentiert durch die Erfahrungen der friedlichen Revolution von 1989. Der Slogan der Leipziger Bewerbung um die Olympischen Spiele 2012 vermittelt die Hingabe und Leidenschaft der Leipziger zu diesem Thema. Spiele mit uns ist Ausdruck des sächsischen Verständnisses guter Gastgeber und zugleich Aufforderung an alle Gäste und Teilnehmer, integraler Bestandteil der Olympischen Spiele in Leipzig zu sein. Die bewusste Mehrdeutigkeit des Slogans lässt darüber hinaus noch weitere spielerische Interpretationen zu. Im aktuellen Logo der Olympiaregion Leipzig verschmelzen die Leipziger Stadtfarben Blau und Gelb harmonisch mit den Farben Grün und Weiß des Freistaates Sachsen – ein Symbol dafür, dass die Bewerbung für die Austragung der Olympischen Spiele 2012 auf starken Säulen steht. Die Null in 2012 steht zugleich für Olympiaregion, die gedrehte Eins wird zum tanzenden L für Leipzig. Spiele mit uns ergänzt das prägnante, aber auch spielerische Ensemble.“
Sollten Sie noch mehr über die Leipziger Olympiabewerbung erfahren wollen, schauen Sie doch im Internet unter
www.olympia-in-sachsen-2012.de nach.
Hier finden sie die von uns bereits veröffentlichten Texte zum Thema:
Die Einleitung
Morgen geht es weiter mit dem Olympia-Check von Frankfurt.
Bildergalerie
Siegerehrung Mittelschulen für Olympia: Den Pokal als sportlichste Schule des Freistaates Sachsen gewann die 98. Mittelschule Dresden. (Foto: Westend)