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23.01.2008 | Thema | Anja Herrlitz/gus/ka

Seriensieger - Die Unschlagbaren?

Manchmal gibt es sie: Athleten, die eine Disziplin dominieren und fast unschlagbar wirken. Über Jahre hinweg ist kein Vorbeikommen an Ihnen, sie stehen immer ganz oben auf dem Siegerpodest. Paradebeispiele sind 400-Meter-Läufer Edwin Moses aus den USA und die rumänische Hochspringerin Iolanda Balas.

Edwin Moses war 120-mal ungeschlagen (Foto: Schröder)


Am 26. August 1977 war es Harald Schmid, der Edwin Moses in Berlin zum vorerst letzten Mal bezwingen konnte. Von 1977 bis 1987 gelang dies danach keinem Sportler über 400 Meter Hürden. In 120 Rennen (107 Finals) war Edwin Moses der Schnellste. Viermal verbesserte der in Dayton, im US-Bundesstaat Ohio, geborene „Ed“ Moses in dieser Zeit sogar den Weltrekord – von vormals 47,82 Sekunden (John Akii-Bua/Uganda) auf 47,02 Sekunden, die er am 31. August 1983 in Koblenz lief. Erst am 4. Juni 1987 konnte Danny Harris die unglaubliche Siegesserie in Madrid (Spanien) beenden.

Quasi die Weltrekordlerin in der längsten Siegesserie ist allerdings die Hochspringerin Iolanda Balas. Von 1957 bis 1967 war es stets die Athletin aus Timişoara, die immer gewann, wenn sie am Ablauf stand. 140 Siege in Folge feierte die zweimalige Olympiasiegerin und verbesserte obendrein – noch mit der Schertechnik – 14-mal den Weltrekord bis auf 1,91 Meter.

24 Siege für Saif Saeed Shaheen

Aber auch heute gibt es sie noch, die Seriensieger. Auch wenn ihre Erfolgstrecke (noch) nicht genauso lang ist. Seit 24 Finals ist Saif Saeed Shaheen aus Katar über 3.000 Meter Hindernis ungeschlagen. Die letzte Niederlage musste er am 8. August 2002, damals noch für Kenia und unter seinem Geburtsnamen Stephen Cherono startend, bei den Afrika-Meisterschaften hinnehmen. Hinter dem Marokkaner Brahim Boulami und Wilson Boit Kipketer (Kenia) war er damals nur Dritter.

Fast ebenso lang dauert bereits die Erfolgswelle der russischen Stabhochspringerin Yelena Isinbayeva an. 22 Finals verließ die 25-Jährige als Siegerin und es hätten durchaus noch mehr sein können. Denn die letzte Niederlage brachte ihr die Polin Monika Pyrek nur aufgrund der Fehlversuchsregel bei. Nimmt man es genau, muss man ihr alerdings vier Siege in Serie abziehen, da sie am 30. August 2006 bei einem Wettkampf in Warschau (Polen) zwar vor Ort war, aber nicht in das Wettkampfgeschehen eingriff.

Bei 22 Siegen in Folge wäre heute wahrscheinlich auch Viertelmeiler Jeremy Wariner (USA), hätte er im vergangenen Sommer beim Meeting in Sheffield (Großbritannien) das Rennen in Angriff genommen anstatt nur aus dem Startblock aufzustehen und nicht loszulaufen.

Carolina Klüft dominiert den Siebenkampf (Foto: Chai)


Siebenkampf-Phänomen Carolina Klüft überragend


Wohl am meisten beeindruckt aber eine andere Siegesserie: Die erst 24 Jahre alte Schwedin Carolina Klüft blieb seit 2001 in 19 Siebenkämpfen ungeschlagen und kann zudem noch drei Siege in Folge bei einem Hallen-Fünfkampf aufweisen. Dies imponiert besonders, da pro Jahr nur sehr wenige Mehrkämpfe bestritten werden können. In dieser Zeit wurde sie unter anderem einmal Olympiasiegerin, zweimal Europa- und dreimal Weltmeisterin. Ob sie ihre Siebenkampf-Erfolge aber auch in diesem Jahr fortsetzen wird, ist ungewiss. Die sympathische Blonde überlegt, sich fortan nur noch dem Weitsprung zu widmen.

Eine neue Siegesserie startete im vergangenen Jahr Hochsprung-Weltmeisterin Blanka Vlasic. Bei 19 Starts musste die Kroatin 2007 nur eine Niederlage einstecken. 15-mal ist sie seitdem in Serie die Überfliegerin gewesen und sprang bei diesen 15 Finals nur einmal nicht mindestens zwei Meter. Gar ungeschlagen war im letzten Jahr Irving Saladino. 17 Siege in Folge feierte der Weitspringer aus Panama. Bei den Weltmeisterschaften in Osaka (Japan) konnte er im letzten Versuch eine drohende Niederlage gerade noch abwenden.

Einige Serien beendet

Die Äthiopierin Meseret Defar ist seit 14 Rennen über 3.000 Meter ungeschlagen. Nach einer Siegesserie sah es zu Beginn des Jahres auch bei der Offenburger Speerwerferin Christina Obergföll aus. Neunmal gewann sie in Folge, musste aber ausgerechnet bei den Weltmeisterschaften die erste Saisonniederlage einstecken.

Virgilijus Alekna war lange das Maß der Dinge (Foto: Chai)


Einige Siegesserien gingen im WM-Jahr hingegen zu Ende. Dem litauischen Diskuswerfer Virgilijus Alekna blieb bei den Weltmeisterschaften in Osaka nach 37 Siegen in Folge auf Platz vier nur die Holzmedaille. In den Jahren zuvor hatte der Leibgardist des litauischen Präsidenten je zweimal nacheinander Gold bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften gewonnen. Und auch Viertelmeilerin Sanya Richards und Hammerwerfer Koji Murofushi hatten wieder einmal das Nachsehen. Die US-Amerikanerin und der Japaner mussten nach 18 bzw. 17 Finalsiegen in Serie der Konkurrenz den Vortritt lassen. Gleiches gilt für Kenenisa Bekele (Äthiopien). 27-mal war er vor den Cross-Weltmeisterschaften in Mombasa (Kenia) bei Cross-Rennen ungeschlagen gewesen.

Deutsche Dauerbrenner

Seriensieger der etwas anderen Art kann man auch in Deutschland finden. So wurde Willi Wülbeck beispielsweise zehnmal hintereinander Deutscher Meister über 800 Meter, nur einmal weniger gelang es 100-Meter-Sprinterin Marlies Göhr in der DDR. Acht Titel in Folge bei nationalen Meisterschaften der BRD bzw. DDR sammelten Hammerwerfer Uwe Beyer, Stabhochspringer Wolfgang Nordwig und 800-Meter-Läufer Manfred Matuschewski.

Harald Schmid lief zu drei EM-Titeln (Foto: Schröder)


Auf internationaler Ebene gelang 400-Meter-Hürdenläufer Harald Schmid dreimal in Folge bei Europameisterschaften der Sprung ganz oben auf das Siegerpodest. Gar viermal nacheinander bekam Diskuswerfer Lars Riedel (TuS Saulheim) bei Weltmeisterschaften Gold umgehängt. Nach Bronze 1999 gelang ihm 2001 wieder der Gold-Wurf.

Gold am Fließband bei internationalen Höhepunkten

Eine Siegesserie der besonderen Art brachten die hammerwerfenden Murofushis zustande. Vater Shigenobu Murofushi war zwölfmal in Folge japanischer Meister, seinem Sohn Koji gelang dies bisher sogar bereits 13-mal.

Beeindruckend ist sicherlich auch die Liste an WM-Erfolgen, die der ukrainische Stabhochspringer Sergey Bubka aufweisen kann. Sechsmal war er bei aufeinanderfolgenden Weltmeisterschaften der Sieger, zweimal sprang er dabei mindestens 6,00 Meter. Der US-Amerikaner Michael Johnson, bis heute Weltrekordler über 200 und 400 Meter, sammelte bei drei Olympischen Spielen und fünf Weltmeisterschaften hintereinander mindestens je eine Goldmedaille. Seinen Landsmännern Carl Lewis (Sprint und Weitsprung) und Al Oerter (Diskuswurf) gelang dies gar bei vier Olympischen Spielen. „Dauerläuferin“ Maria Mutola (Mosambik) war bei allen vier Hallen-Weltmeisterschaften, die zwischen 2001 und 2006 stattfanden, über 800 Meter die Beste. Aber beruhigend für die Konkurrenz ist, dass jede Siegesserie – egal wie lange sie ist – irgendwann ein Ende hat.

Die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit!

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