07.01.2008 | Interview | Anja Herrlitz
Sabrina Mockenhaupt - „Bin nicht mehr feiern“
Die Kölnerin Sabrina Mockenhaupt sammelte in der vergangenen Saison vier nationale Titel und unterbot bei ihrem Debüt auf der Marathonstrecke gleich die Olympianorm. Lesen Sie im Interview, weshalb die 27-Jährige trotzdem nicht rundum zufrieden war und was sie sich für das Neue Jahr vorgenommen hat.
Sabrina Mockenhaupt startete ruhig ins neue Jahr (Foto: Chai)
Sabrina Mockenhaupt, das Neue Jahr hat
gerade angefangen. Wie haben Sie den Jahreswechsel gefeiert?
Sabrina Mockenhaupt:
So ruhig wie noch nie. Ich habe gemütlich mit ein paar
Freunden daheim gefeiert und kaum Alkohol getrunken. So wie es sich für eine
Leistungssportlerin gehört. Am nächsten Morgen konnte ich schon wieder knapp 18
Kilometer laufen gehen.
Wie fällt ihr
Jahresrückblick auf 2007 aus?
Sabrina Mockenhaupt:
Ich würde sagen, das Jahr hat noch eine gute Wende genommen.
Aber so schlecht war
das Jahr doch nicht. Sie sind immerhin Deutsche Meisterin über 5.000 und 10.000
Meter, im Cross und über 3.000 Meter in der Halle geworden. Dazu der zweite
Platz vom Europacup und das gute Marathondebüt…
Sabrina Mockenhaupt:
Die Deutschen Meistertitel sind etwas, was ich immer
anbieten muss. Aber ich hatte mehr gewollt und auch mehr angekündigt und konnte
das nicht halten. Deswegen war ich nicht ganz so zufrieden.
Und welche Ziele haben
Sie sich für das Olympiajahr gesetzt?
2008 will sie ihre Bestleistung über 10.000 Meter angreifen (Foto: Chai)
Sabrina Mockenhaupt:
Vom deutschen Rekord über 10.000 Meter will ich gar nicht
mehr reden. Mein Ziel ist es, wieder an meine persönliche Bestleistung heran zu
laufen. Die steht seit 2005 bei 31:21,28 Minuten.
Damit würden Sie auch
die Olympia-Norm von 31:40,00 Minuten unterbieten. Steht es nun fest, dass Sie
in Peking über 10.000 Meter und nicht im Marathon starten wollen?
Sabrina Mockenhaupt:
Ja, ich werde es auf jeden Fall über 10.000 Meter versuchen.
Die Marathon-Mädels lasse ich dieses Jahr noch einmal in Ruhe. Da gibt es
genug, die sich um die Norm streiten. Bei der WM 2009 in Berlin will ich dann
aber im Marathon an den Start gehen.
Wie läuft Ihr
derzeitiges Training? Seit kurzem trainieren Sie ja in Leverkusen bei Paul-Heinz
Wellmann...
Sabrina Mockenhaupt:
Das Training läuft sehr gut. Es macht mir vor allem
unheimlich viel Spaß und ich bin richtig motiviert. Super finde ich besonders,
dass wir bei den Tempoläufen mehrere Athleten sind und man nicht alleine laufen
muss.
Hat sich Ihr Training
durch den Trainerwechsel denn sehr verändert?
Sabrina Mockenhaupt:
Ein bisschen schon. Wir machen jetzt vor allem mehr
Tempoläufe. Und ich muss nebenbei mehr schlafen und gehe so gut wie gar nicht
mehr feiern. Mein Image als Partymaus kann ich jetzt wirklich ablegen.
Sabrina Mockenhaupt plant nur wenige Hallenstarts (Foto: Gantenberg)
Haben Sie eine
Hallensaison geplant?
Sabrina Mockenhaupt:
Naja, so eine halbe. Ich werde auf jeden Fall in Stuttgart
laufen und in Karlsruhe die 1.500 Meter. Vielleicht starte ich auch beim
Hallen-Europacup. Bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften bin ich leider nicht
da, denn es finden zur gleichen Zeit die Militär-Cross-Weltmeisterschaften
statt. Aber bei den Deutschen Cross-Meisterschaften bin ich auf jeden Fall
wieder dabei.
Und wie sieht es mit
der Hallen-WM und den Cross-Weltmeisterschaften aus?
Sabrina Mockenhaupt:
Da werde ich nicht an den Start gehen.
Wie werden Sie Ihre
Vorbereitung auf den Sommer gestalten?
Sabrina Mockenhaupt:
Ich werde mit den anderen Langstreckenläufern Ende März und
den ganzen April ins Trainingslager nach Flagstaff in die USA fahren. Anfang
Mai will ich dann in Stanford die Olympia-Norm über 10.000 Meter angreifen.
Im kommenden Sommer
liegt der Schwerpunkt also wieder auf den Bahnrennen und nicht auf dem
Marathon. Werden Sie den hohen Kilometer-Umfang, den man für einen Marathon
braucht, trotzdem beibehalten?
Sabrina Mockenhaupt:
Erst einmal muss ich überhaupt zu so einem hohen
Kilometerumfang kommen. Im letzten Jahr habe ich mich zwar nach oben
orientiert, aber ich hatte immer wieder Ausreißer dabei. Manchmal bin ich nur
60 bis 70 Kilometer die Woche gelaufen. Wir wollen mehr Kontinuität in mein
Training bringen und mich dahin führen, dass ich irgendwann die ganz hohen
Umfänge auf Dauer ertragen kann. Dann sollen es 180 bis 200 Kilometer pro Woche
sein.
Auch wenn Sie bei den
Olympischen Spielen über 10.000 Meter starten wollen, haben Sie trotzdem vor,
in diesem Jahr noch einen Marathon zu laufen?
Sabrina Mockenhaupt:
Vielleicht, aber das kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich
will mir keinen Druck machen und schauen, wie ich die Trainingsumstellung
verkrafte. Eventuell laufe ich dann am Ende des Jahres in Köln noch einmal
einen Marathon oder zumindest einen Halbmarathon.