03.01.2008 | Interview | Christian Ermert
Franka Dietzsch - „Ich habe noch Reserven“
In einer der knappsten Entscheidungen, seitdem die "Leichtathleten des Jahres" gewählt werden, hat sich Diskuswerferin Franka Dietzsch im Duell der Weltmeisterinnen gegen die Frankfurter Hammerwerferin Betty Heidler durchgesetzt. Am Ende entschieden 64 Stimmen zugunsten der dreimaligen Diskus-Weltmeisterin. Lesen Sie im Interview, was sich die Neubrandenburgerin für das kommende Jahr vorgenommen hat.
Franka Dietzsch blickt auf ein überaus erfolgreiches Jahr zurück (Foto: Chai)
Frau Dietzsch, vor zwei Wochen waren Sie Zweite bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres, jetzt haben Sie die Leichtathletik-Fans zur "Leichtathletin des Jahres" gekürt. Was bedeutet Ihnen mehr?
Franka Dietzsch:
Oh, oh, oh. Das ist schwierig zu sagen. Bei der einen Wahl haben die Leichtathletik-Freaks abgestimmt, bei der anderen die Sportjournalisten. Das ist kaum zu vergleichen. Aber der schönste Titel, den ich 2007 neben meinem WM-Gold gewonnen habe, ist der des "Champions des Jahres".
Dabei haben die von der Sporthilfe geförderten Athleten in der Mehrzahl für Sie gestimmt...
Franka Dietzsch:
...ja genau, da haben die Sportler entschieden, die am besten einschätzen können, wie viel Arbeit und Einsatz es bedeutet, eine Goldmedaille bei einer WM zu gewinnen.
Haben Sie schon einmal in einem Jahr so viel Anerkennung für Ihre sportliche Leistung genossen wie 2007?
Franka Dietzsch:
Nein. Ich glaube, das habe ich vor allem meinem Alter zu verdanken. Den Menschen imponiert es, dass man mit fast 40 Jahren noch so viel im Leistungssport erreichen kann. Es ist eine Anerkennung dafür, dass mich auch solche Jahre, in denen es nicht so besonders gut lief, nicht entmutigt haben. Ich habe mich wieder rangekämpft.
Von der Gala in Baden Baden ging es für die Sportler fast übergangslos ins Weihnachtsfest. Wie haben Sie gefeiert?
Franka Dietzsch:
Ganz in Ruhe, zu Hause auf Usedom bei meiner Mutter. Nachdem mein Vater vor ein paar Jahren gestorben ist, sind immer meine Schwester mit ihrer Familie, meine Mutter und ich an Weihnachten zusammen.
Was ist mit Ihrer eigenen Familienplanung. Sind Kinder ein Thema?
Franka Dietzsch:
Ja, schon. Ich träume davon, irgendwann eine eigene Familie zu haben.
Und wie war Silvester?
Franka Dietzsch:
Ich bin mit Freunden ausgegangen und wir haben gefeiert.
Mit welchen Vorsätzen sind Sie ins Neue Jahr gestartet?
Franka Dietzsch:
Ich will meinen Trainer nicht mehr vollmotzen, wenn’s mal nicht so läuft. Er ist schließlich der, der es meistens abbekommt. Ansonsten will ich nicht großartig was verändern. Warum sollte man viel ändern, wenn man erfolgreich ist?
Gold bei der WM soll eine Olympia-Medaille folgen (Foto: Chai)
Haben Sie sich auch vorgenommen, in Peking Olympiasiegerin zu werden?
Franka Dietzsch:
Das kann ich ja nicht hundertprozentig beeinflussen, deshalb taugt es schlecht als Vorsatz. Es spielen zu viele Faktoren eine Rolle, aber natürlich will ich bei Olympia eine Medaille gewinnen.
Wie haben Sie und Ihr Trainer Dieter Kollark den Weg nach Peking geplant?
Franka Dietzsch:
Wir werden nichts anders machen als in den Jahren zuvor. Wir werden Trainingslager in Kienbaum und in Portugal absolvieren. Ich werde außerdem ähnliche Wettkämpfe bestreiten wie 2007. Nichts Außergewöhnliches.
Eine größere Veränderung steht Ihnen indes doch bevor: Zuletzt sprachen Sie von einem neuen Sponsor...
Franka Dietzsch:
...nicht nur das, ich habe auch einen neuen Arbeitgeber: Ich arbeite künftig für die DKB, die Deutsche Kreditbank.
Das heißt, Sie arbeiten künftig wieder bei der Bank, nachdem Sie zuletzt von der Sparkasse freigestellt waren?
Franka Dietzsch:
Nein, jetzt bin ich von der DKB freigestellt, um trainieren zu können.
Betrifft das Engagement der Bank nur Sie oder auch den ganzen SC Neubrandenburg?
Franka Dietzsch:
Davon profitiert die Leichtathletik-Abteilung, und die anderen Neubrandenburger Spitzenathleten wie Ralf Bartels oder Sonja Kesselschläger werden noch besser unterstützt.
Was ist denn mit Ihren Reiseplänen ans andere Ende der Welt? Mit der Auszeichnung zum "Champion des Jahres" hatten Sie doch eine Traumreise nach Neuseeland gewonnen, die Sie zusammen mit Dieter Kollark antreten wollten?
Franka Dietzsch:
Das haben wir auf die Zeit nach den Olympischen Spielen verschoben. Jetzt zählt erst mal die Vorbereitung auf Peking.
Glauben Sie, dass die nächsten beiden Jahre mit Olympia und der Heim-WM 2009 in Berlin der Leichtathletik in Deutschland zu neuem Schwung verhelfen werden?
Franka Dietzsch:
Ich glaube schon, dass das Interesse der Zuschauer größer und die Leistungen der Athleten besser werden. Olympia ist das Highlight, da gibt jeder 120 oder sogar 150 Prozent. Und für die deutschen Athleten gilt das natürlich genauso für die WM in Berlin. Wenn wir Athleten mit guten Leistungen aufwarten, wird auch das Interesse noch größer. Es ist ja jetzt schon da. Das merke ich, wenn ich durch die Stadt gehe oder in Deutschland unterwegs bin und von den Menschen auf der Straße erkannt werde.
Franka Dietzsch träumt noch immer von einem Wurf über 70 Meter (Foto: Krebs)
Am 22. Januar feiern Sie Ihren 40. Geburtstag. Ist die Zahl 40 wichtig für Sie?
Franka Dietzsch:
Ich kann das ja nicht ändern oder verbergen, das steht in meiner Geburtsurkunde. Aber alle anderen kommen ja hinterher, werden auch 40 oder noch älter. Ein Grund zum Aufhören ist das natürlich nicht, so lange ich mich fit fühle und vorne mit dabei bin, geht’s weiter. Ich habe eine gute Genetik.
Geht es Ihrer Achillessehne, die sie den Sommer über mit Schmerzen plagte, auch wieder gut?
Franka Dietzsch:
Ich klopfe mal auf den Holztisch, bevor ich antworte – ja, derzeit ist es in Ordnung. Ich hoffe, das bleibt so, die Sehne wurde aber in den vergangenen Monaten sehr intensiv und erfolgreich behandelt. Ohne Spritzen, vor allem mit alternativen Methoden.
Sind Sie schon wieder voll im Training?
Franka Dietzsch:
Zuletzt haben mich zwei Erkältungen ausgebremst, aber ab dieser Woche soll es wieder so richtig losgehen mit dem Kraft- und Athletiktraining.
Sie träumen immer noch von den 70 Metern, die Sie noch nie mit dem Diskus übertroffen haben. Haben Sie noch Leistungsreserven?
Franka Dietzsch:
Immer. Es wäre ja schlimm, wenn das nicht so wäre. Aber 70 Meter zu werfen – das liegt nicht nur an mir. Da müssen auch die Bedingungen stimmen: Der perfekte Wind, 25 bis 28 Grad. Ich muss mit einer Superform aus dem Trainingslager kommen und auch das nötige Glück haben. Ins Olympiastadion von Peking kommt kaum Wind rein, dort wird’s wohl nichts werden mit den 70 Metern...