03.01.2007 | Aktuell | Anja Herrlitz
Jan Fitschen - Im Sommer geht's wieder zur Sache
Spätestens mit seinem unglaublichen Endspurt zu EM-Gold über 10.000 Meter lief sich Jan Fitschen in die Herzen der Leichtathletik-Fans. Die User und Leser von leichtathletik.de und der Fachzeitschrift "leichtathletik" wählten den Wattenscheider nun zum "Leichtathleten des Jahres".
Jan Fitschen startet in das Neue Jahr (Foto: Teusch)
"Das ist ein Riesenkompliment. Zumal die Konkurrenz groß war", bedankt sich der 29-Jährige. Vor allem den Neubrandenburger Kugelstoßer Ralf Bartels hatte er auf der Rechnung.
So überraschend für ihn der EM-Erfolg kam, umso größer war danach die Freude. Verändert habe ihn der Erfolg aber nicht. "Ich habe natürlich direkt nach Göteborg auf einer Wolke der Euphorie geschwebt, aber das erste schlechte Training hat mich schnell auf den Teppich zurückgeholt", erzählt er lachend.
Doch auch wenn ein Training mal nicht so gut lief, hatte der Physik-Student keinerlei Probleme, wieder in den Trainingsalltag zu finden. "Im Gegenteil, ich habe gedacht: Genial, da geht ja noch viel mehr, jetzt erst recht", erzählt er, "es hat vorher sehr viel Spaß gemacht und jetzt macht es noch mehr Spaß."
Kein Start bei der Hallen-EM
Jan Fitschen ist Vollblut-Läufer durch und durch, wenn er erzählt, leuchten seine Augen. Trotz allem steht der Sport derzeit nicht uneingeschränkt an erster Stelle in seinem Leben – doch nur vorübergehend: "Zunächst will ich in diesem Jahr mein Studium abschließen, denn dort stehe ich schon mitten in der Diplomarbeit, um mich danach voll auf den Sport konzentrieren zu können."
Aus diesem Grund wird er 2007 auf einen Start bei der Hallen-EM in Birmingham (Großbritannien) verzichten. "Die Hallensaison hat für mich völlig untergeordnete Bedeutung", verrät er. Nur wenige Starts sind unter dem Hallendach geplant.
Und auch die Vorbereitung auf die WM in Osaka (Japan) fällt nicht ganz so intensiv und umfangreich aus wie die auf die Europameisterschaften in Göteborg (Schweden). "Vergangenes Jahr war ich ja schon im Herbst im Trainingslager in Flagstaff in den USA. Das habe ich diesen Herbst ausfallen lassen. Auch auf die DLV-Maßnahme im Januar in Spanien verzichte ich, um an der Uni vorwärts zu kommen. Ich hoffe, dass ich ab Ende Februar nicht mehr jeden Tag ins Labor an der Uni muss und in den Frühjahrs-Trainingslagern in Flagstaff und auf Texel meine Diplomarbeit zusammenschreiben kann", skizziert er seine Pläne.
Jan Fitschen bleibt realistisch
"Dann habe ich den Kopf frei und es soll im Sommer wieder richtig zur Sache gehen. Ich will mich für die WM in Osaka qualifizieren und dort im Finale stehen. Die Vorbereitung auf Olympia 2008 und auf die WM 2009 werde ich dann eventuell als Profisportler in Angriff nehmen." Der Sport soll dann für einige Zeit im Fokus stehen. Jan Fitschen plant langfristig und will seine Karriere durchaus noch über das Jahr 2010 hinaus fortsetzen. Auch einen Marathon-Start hat er geplant – allerdings ist noch nicht klar, ob er diesen als Leistungssportler oder einfach "just for fun" bestreiten wird.
Doch trotz allem Enthusiasmus ist der Schützling von Tono Kirschbaum kein Träumer und gibt sich nicht der Illusion hin, es sei einfach, seinen Erfolg von Göteborg zu wiederholen. Vor allem in den beiden kommenden Jahren mit Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen, wird dies noch schwieriger.
Sich wie ein König fühlen
"Bei Starts auf Weltniveau müssen wir uns andere Ziele setzen als in Europa. Für mich ist eine Finalteilnahme bei einer WM oder bei Olympischen Spielen genauso viel wert wie für andere vielleicht eine Medaille", erklärt er. "Ich kämpfe für das, was ich für realistisch halte. Ich finde es toll, wenn ich weiter oft Deutscher Meister werde, ich finde es super, wenn ich 2008 zu den Olympischen Spielen fahren darf, und wenn ich da im Finale stehe, fühle ich mich wie ein König. Und wenn man dort erst einmal ist, wer weiß..."
Auch wenn die Chancen bei Europameisterschaften größer sind, bleiben die Olympischen Spiele für ihn "auch eine Riesensache". Die nächsten Etappen auf dem Weg dorthin hat er bereits anvisiert. "Ich will Bestzeiten laufen und die 28 Minuten über 10.000 Meter unterbieten. Außerdem hat unser Bundestrainer Detlef Uhlemann Prämien für diejenigen ausgelobt, die seine Bestzeiten über 5.000 und 10.000 Meter unterbieten. Das ist ein großer Anreiz, aber auch ein weiter Weg." Aber auch der Weg zu EM-Gold erschien zunächst sehr lang...
Die Leichtathleten des Jahres 2006
Bildergalerie
Die Hallensaison hat untergeordnete Bedeutung (Foto: Kiefner)
Olympia und WM sind nach wie vor Riesensachen (Foto: Möldner)