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15.12.2006 | Thema | Silvia Otto

Manager – Zwischen Erfolg und Hoffen

Schon jetzt im Dezember beginnt das Rennen um begehrte Startplätze bei nationalen und internationalen Meetings 2007 sowie den entsprechenden Antrittsprämien. Schnittstelle bei den schweißtreibenden Verhandlungen zwischen Meeting-Direktor und Athlet sind dabei die im Hintergrund agierenden Manager.

Betty Heidler wird von Vera Michalek betreut (Foto: Chai)

Natürlich beschränkt sich die Arbeit eines Managers nicht auf bestimmte Zeiten oder die Vermittlung von Startgelegenheiten. Vielmehr ist der jeweilige Sportler ganzjährig ins rechte Licht sowie Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken und bereits im Winter sind Silvesterläufe erstklassig zu besetzen. Management ist ein Dienstleistungsgeschäft bei dem alle Beteiligten nur eines wollen – voneinander zu profitieren.

Die Anzahl erfolgreicher Manager in der deutschen Leichtathletik-Szene ist überschaubar. "Der Markt ist inzwischen mehr oder weniger aufgeteilt", urteilt eine von ihnen. Vera Michalek betreut derzeit etwa 40 Athleten – unter anderem auch internationale und beschreibt ihre Arbeit im Moment als eher mäßig. "Die Vermarktung deutscher Sportler ist schwierig und war bereits lukrativer." Der Grund hierfür sind begrenzt vorhandene Top-Athleten von internationalem Format, die derzeit überwiegend im Wurfbereich zu finden sind.

Zwei davon sind in ihrer Kartei, Kugelstoßerin Nadine Kleinert (SC Magdeburg) sowie die deutsche Rekordhalterin im Hammerwerfen Betty Heidler (LG Eintracht Frankfurt). Vera Michalek bietet ihren unter Vertrag stehenden Aktiven das "komplette Programm" – von Gesprächen bei Ausrüstern, Vereinen oder Sponsoren bis eben zu den besagten Antrittsprämien. Weitere Aufgabe ist ein ständiger Blick auf den Nachwuchs und die Hoffnung, dass nach "langer Pflege und hohem Aufwand etwas dabei raus kommt". Schließlich werden wirkliche Stars der Kunststoffbahn nicht jeden Tag geboren.

"Die Athleten kommen zu mir!"

Ein deutscher Manager mit hohem Bekanntheitsgrad und eben diesem eingegrenzten Berufsfeld ist Helmut Ebert. "Ich betreue zu 99,9 Prozent deutsche Leichtathleten und zwar ausschließlich Leichtathleten, zudem ist der internationale Markt längst abgegrast." Der Schmöllner ist überzeugt von diesem Konzept und sieht die deutsche Leichtathletik in einem viel besseren Licht als die Medien. "Die Sportart muss nur besser vermarktet werden, das Potential ist da."

Teilweise bis zu achtzig namhafte Sportler standen auf seiner Liste ("Die Athleten müssen zu mir kommen") - gesundheitlich bedingt sind es zur Zeit 34. Unter anderem Europameisterin Steffi Nerius (TSV Bayer 04 Leverkusen), der EM-Zweite Thomas Blaschek (LAZ Leipzig), Speerwerferin Christina Obergföll (LG Offenburg) oder Sabrina Mockenhaupt (Kölner Verein für Marathon). Helmut Ebert, langjähriger Berater von Lars Riedel (LAC Erdgas Chemnitz), betreut seine Athleten vor allem im sportlichen Bereich.

Image ist alles

Den Aufbau eines heutzutage unumgänglichen Imageprofils in der Öffentlichkeit übernehmen zunehmend sogenannte Sportagenturen. Eine davon betreibt Jörg Neblung, der sich nicht um die Startgelder seiner Klienten, sondern deren Vermarktung sowie Pressearbeit in allen Bereichen kümmert.

Die Vermarktung deutscher Leichtathleten analysiert Jörg Neblung als schwierig und sieht Probleme in der Zukunft. Profit zieht er vor allem aus dem lukrativen Geschäft des Fußballs. "Für eine erfolgreiche Vermarktung zählen eben nur Goldmedaillen in Verbindung mit einem interessanten Persönlichkeitsbild und hohem Bekanntheitsgrad – das ist im Moment in Deutschland schwierig." Eine die diese Eigenschaften verbindet und bei ihm unter Vertrag steht ist Steffi Nerius - neben der einstigen deutschen Vorzeige-Leichtathletin Heike Drechsler, welche unlängst von Jörg Neblung zum Eiskunstlaufen ins Fernsehen geschickt wurde.

Internet statt Manager

Ein Name darf auf der Managerliste nicht fehlen. Robert Wagner, der die Vize-Europameister Tim Lobinger (ASV Köln) und Kirsten Bolm (MTG Mannheim) betreute, gab nach 18 Jahren seinen Rückzug bekannt. Der Österreicher setzte als Manager auch auf internationale Sportler wie den britischen Hürdensprinter Colin Jackson oder die slowenische Mittelstrecklerin Jolanda Ceplak. Inzwischen hat er die spannende Welt des Internets für sich entdeckt und will demnächst ein Online-Wettportal speziell für Leichtathletik anbieten.

Bleibt als Fazit, Manager in der deutschen Leichtathletik-Szene werden auch weiterhin anstrengende Verhandlungen für ihre Athleten auf sich nehmen und auf große Namen hoffen. Und so wird Jörg Neblung weiter heimlich seine Nachwuchs-Beobachtungen fortführen und zum richtigen Zeitpunkt zuschlagen. Denn beim Management geht es vor allem um eines, Geld verdienen und zwar auf beiden Seiten.

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